Archiv für Mai 2012

Schwarz-Rot-Gold!

Fahnenmeer Es ist wieder soweit: Ein Fahnenmeer legt sich über die deutsche Karosserielandschaft. Wo das Auge hinblickt die Nationalfarben schwarz, rot und gelb. Eine Aussage, die bis 2008 noch strafbar war: denn natürlich ist das kein schnödes Gelb, sondern edles Gold!*

Gold und Gelb verwechseln war strafbar? Ganz schön albern? Die Nationalfarben sind leider alles andere als nur ein Symbol für eine bestimmte geografische Fläche in Mitteleuropa. Es geht um nationale Identität. Und dahinter stehen Ideologie und knallharte Machtverhältnisse. Da hört der Humor der deutschen Justiz schnell auf.

Aber wie kommen wir denn jetzt von Autofähnchen auf die Nation? Es geht doch nur um Fußball! Na klar – und es ist es sicher reiner Zufall, dass fast alle deutschen EM-Begeisterten augenblicklich wissen für welche Mannschaft sie mitzufiebern haben. Zufall, dass sich die Menschen immer erst dann massenhaft für Fußball begeistern lassen, wenn die eigene Nation auf dem Spielfeld vertreten ist und der Fußball-Weltpokal – die Weltmeisterschaft in der tatsächlich Fußballvereine, und nicht Nationen, gegeneinander antreten – bei den meisten Leuten wenig Interesse entlocken kann. Und dass die Kampagne „Dein Name für Deutschland“ nicht etwa für die deutsche Nationalmannschaft, sondern „für Deutschland“ wirbt.

Es geht offensichtlich um Nationalismus: Die irrationale Begeisterung für die „eigene“ Nation. Oder geht es doch nur um Patriotismus? (mehr…)

Blockupy Frankfurt – Die Blockade des Rechtsstaats

Eine angemessene linke Antwort auf Krise und Krisenpolitik ließ in Deutschland lange auf sich warten. Wähend in anderen Teilen Europas die Präsident_innen purzeln, ein Generalstreik den nächsten jagt und sich andauernde Proteste mit neuen Überlegungen der „Aufstands-bekämpfung“ konfrontiert sehen, passiert in Deutschland so gut wie nichts. Der Importversuch von „Occupy“ kann in der öffentlichen Wahrnehmung längst von 99% auf 0% reduziert werden, eine weichgespülte Gewerkschaftspolitik lässt kaum Platz für soziale Forderungen in Zeiten des gemeinsamen Engerschnallens und auch sonst scheint es, ganz verelendungstheoretisch, den Menschen noch immer gut genug zu gehen, als dass einem breiteren Publikum bewusst würde, dass die nächste Krise nicht lange auf sich warten lässt, wenn alles so weitergeht wie bisher.

Vor der Diskussion über ernsthafte Alternativen kann es daher schonmal ein Anfang sein, überhaupt noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, dass die Krise alle Menschen betreffen kann und wird und nicht „ins ferne Griechenland“ ausgewandert ist. Zu diesem Zweck wurden die symbolischen „Rückeroberungen“ des öffentlichen Raums und Massenblockaden des Frankfurter „Bankenviertels“ während der Blockupy-Aktionstage ins Leben gerufen. Endlich sollte auch in Deutschland wirksamer antikapitalistischer Protest auf die Straße getragen werden. Politisch relevant dürften am Ende aber weniger die erfolgreichen Blockaden sein (durchgeführt von Stadt- und Staatsmacht), sondern vielmehr das kaum fassbare Ausmaß von Polizeiwillkür und Repression gegen einen weitgehend gewaltfreien und natürlich notwendigen Protest. (mehr…)