Presseschau: Capture The Flag

BILD über CTF In den letzten Wochen gab es zahllose Reaktionen auf „Capture the Flag“ (CTF) und die von uns veröffentlichten Flyer und die Broschüre „Deutschland knicken“. Angesichts der Tatsache, dass das CTF eine bereits 6jähirge Tradition hat und auch Flyer wie der Autofähnchen-Ersatzflyer in den Vorjahren zur Anwendung kamen sind wir positiv überrascht welche Resonanz unsere Veröffentlichungen nach sich gezogen haben.

Wir dokumentieren und kommentieren an dieser Stelle eine Reihe dieser öffentlicher Reaktionen.

Props to all the Haters

Wahrscheinlich ausgehend von der Verbreitung des Autofahnen-Ersatzflyers auf Facebook und per Mail erlangte der Flyer und die Broschüre zuerst größere Aufmerksamkeit durch die Berliner Ausgabe der BILD-Zeitung, die aus dem Flyer zitiert und in ihrer Print-Ausgabe neben einem veralteten Foto des 2010 in Erscheinung getretenen „Kommando Kevin-Prince-Boateng“ die Punktetabelle der Broschüre abbildet. Bemerkenswert ist hier, dass die BILD sich auf eine Abwehr der EM als unpolitisches Spaßspektakel beschränkt und nicht etwa den neuen deutschen „Patriotismus“ in Schutz nimmt. Bemerkenswert auch, dass die BILD die Begründung für den Fahnenklau nicht unterschlägt und aus dem Flyer zitiert: „Diese Fahne produziert Nationalismus“. Die Unterstellung, dass Autofähnchen-Knicker*innen allesamt autonom seien und nebenher Bomben legen und Autos anzünden macht dagegen den unverwechselbaren Charme des Axel-Springer-Blatts aus.

Der allseits lauernde Watchblog Bildblog räumt gleich darauf mit dem gröbsten Lügen des Bild-Artikels auf, unter anderem weisen wir natürlich auf die strafrechtlichen Konsequenzen des Fahnenklaus hin.

Die Reaktion der offen rechten Presse bleibt natürlich nicht aus und so ist sich die Junge Freiheit nicht zu dumm, gegen uns vaterlandslose Gesell*innen ins Feld zu ziehen. Hier wird nun auch der vergleichsweise harmlose aber nichts desto trotz anerkennenswerte antipatriotische Sticker der Grünen Jugend aufgegriffen und skandalisiert.

Schließlich nimmt sich dem Thema auch Die Welt an und ereifert sich derart über die Flaggenschändung, dass sie ihren trockenen Schreibstil über den Haufen wirft um der Empörung einmal richtig Luft zu machen. Der Artikel ist dabei derart skurril, dass er sich nur durch einen durch und durch wutentbrannten Autor erklären lässt und an dieser Stelle einen etwas detaillierteren Kommentar verlangt. Dieser sucht direkt nach der obligatorischen Rezitation des Ammenmärchens vom „neurosefreien Patriotismus“ als Erstes in regelrecht klassenkämpferischer Manier das Bündnis mit dem einfachen Volke in seinen „Opels, Kias und Peugeots“ gegen die zur besserverdienenden Akademikerklasse aufgebauten Grünen Jugend. Doch nicht nur die Grüne Jugend wird auf einmal zum Klassenfeind, auch „die Linken“ im Allgemeinen werden zur abgehobenen Polit-Aristokratie verklärt und dem deutschen „Pöbel“ gegenübergestellt.

Schließlich setzt Ulf Porschardt der Skurrilität die Krone auf und führt im Namen des Patriotismus das Attribut „deutsch“ als Vorwurf gegen die „Anti-Deutschen“ ins Feld – offenbar in der Erwartung, keine wirksamere Beleidigung finden zu können. Dem einfachen Satz „Egal aus welcher Motivation sie diese Fahne angebracht haben, sie produziert in jedem Fall Nationalismus.“ unterstellt er geifernd eine „urdeutsche Sprache“(!) und den Stil einer bayerisch-oberlehrerhaften Belehrung. Was Porschardt dagegen unter einem „albanischen Layout“ versteht, erschließt sich wohl nur eingefleischten Völkerkundler*innen.

Es folgt die obligatorische Patriotismus-Parteinahme: In herrlichster Doppeldenk-Tradition erklärt der Autor die nationale Ekstase zu einem „internationalen Bedürfnis“ – die Nationalfahnen für internationalistisch. Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei und Nationalismus ist Internationalismus. Damit dürfen wir Deutschen uns auch dem ethnopluralistischem Kitsch der „Völkergemeinschaft“ anschließen.

Fehlen darf auch nicht die empirisch schlicht falsche Behauptung mit dem modernen Nationalismus ginge kein Chauvinismus und keine Gewalt einher. Herhalten müssen für diese Behauptung natürlich die schlandfahnen-schwenkenden Quoten-“Migranten“ – deren prominente Hervorhebung in dem Artikel eben genau auf das ausschließende Moment des Nationalismus verweist das geleugnet wird: Dass diese „Migranten“ dann und nur dann als deutsch wahrgenommen werden können, wenn sie sich frenetisch jubelnd zu Deutschland bekennen. Wenn genau diese Migrant*innen nach der EM wieder unbarmherzig aus dem deutschen Zwangskollektiv ausgeschlossen und in Armut und Elend abgeschoben werden entlarvt sich auch die von Porschardt halluzinierte „popmoderne fluide Identität“ als ideologischer Kitsch.

Abgeschlossen wird der selbstgerechte Erguss schließlich in einer besonders kruden Form der Extremismustheorie, die Junge Union und Grüne Jugend in Hufeisenform gegenüberstellt, weil beide es wagen politisch zu argumentieren, statt hirnlos mitzufeiern.

Auch Wochen später ist der Missmut nicht verflogen und Die Welt schiebt anlässlich des Ausscheidens der Männer-Nationalmannschaft mit einem „Satire-Artikel“ nach, der allerdings nun versucht, das Capture The Flag völlig zu entpolitisieren und das Handeln der Grünen Jugend und „der Antifa“ als grundsätzlich Dagegen zu skizzieren. Wie dieser Aufhänger dagegen in Lustig aussieht demonstriert der Postillon.

Wie eine bürgerliche Einschätzung unserer Broschüre dagegen aussehen kann, wenn sie nicht von deutschnationalem Eifertum getragen wird zeigt die Österreichische Zeitung Der Standard in ihrem Artikel. Hier wird die Broschüre und das Capture The Flag, genauso wie der deutsche Fußballpatriotismus nüchtern und unparteiisch als Kuriosum abgehandelt. Diese unaufgeregte Rezeption schlägt sich auch in den meisten Kommentaren wieder, die der deutschen Nationalfahnenwut ähnlich spöttisch begegnen, wie einst der deutsche antiamerikanisch motivierte Hohn über den US-Patriotismus.

Kritische Kommentare

Das Thema Nationalismus fand auch wie in den Vorjahren wieder Eingang in die Berichterstattung kritischer Medien. Den Aufschlag machte die Süddeutsche mit einem Artikel, dessen Titel das Problem treffend benennt: „Party-Patriotismus ist Nationalismus“ und diese Erkenntnis empirisch anhand der Studie des „Interdisziplinären Konflikt- und Gewaltforschungsinstituts der Universität Bielefeld“ untermauert. Die Studie stellt klar, dass sich Nationalismus und Patriotismus eben nicht trennen lassen, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Nationalchauvinismus Hand in Hand einhergehen mit Patriotismus und das die vermeintlich positiven Bestandteile des Verfassungspatriotismus nicht aus der Identifikation mit dem Vaterland, sondern schlicht aus allgemeinen demokratischen Grundüberzeugungen hervorgehen. Sogar der Zusammenhang zwischen Nationalismus und antimodernen, fortschrittsfeindlichen Ressentiments wird betont.

Auch die taz und Die Zeit problematisieren den Nationalismus während der EM unter Verweis auf dieselben Quellen, und außerdem die Auseinandersetzung um eine Kneipe in Bremen.

Das Neue Deutschland widmet unserem Flyer und dem Capture the Flag einen erfrischenden Artikel in dem es unter den albernsten der empörten Gegenreaktionen aufräumt. Angesichts ihrer eher linkskonservativen Leserschaft allerdings eher ein Wagnis, wie sich in den Kommentaren zeigt.

Rundfunk, Film- und Fernsehen

Neben zwei Radio-Interviewanfragen trudelte alsbald auch eine Anfrage der genauso wenig harten wie fairen ARD-Talksendung „Hart aber Fair“ ein, in der sie sich anlässlich der Sendung am 25. Juni über das Phänomen des Capture The Flag erkundigten. Die Sendung wurde allen Ernstes unter dem Titel „Europameister der Herzen oder Lehrmeister Europas? Was sind wir Deutschen wirklich?“ ausgetrahlt – ein Titel, der vor deutscher Selbstgenügsamkeit nur so trieft, indem er „uns“ vor die Wahl stellt ob „wir“ jetzt wohl eher unglaublich sympathisch und gut im Fußball oder einfach nur politisch und wirtschaftlich dolle erfolgreich seien. Eine Wahl die nicht nur keine negative Alternative offen lässt, sondern sich schon unentrinnbar auf die Konstitution des deutschen Kollektivs einlässt.

Ähnlich skurril verläuft auch die Sendung. Als „Quoten-Ausländer“, der „uns Deutschen“ versichern muss, dass „wir“ völlig verkrampft mit unserem Nationalstolz umgingen, hält der amerikanische Deuschland-Experte und Autor des Buches „Nörgeln – des Deutschen größte Lust“ Eric T. Hansen her, der es zur allgemeinen Beklemmung partout nicht schafft, zwischen den Begriffen „Nationalismus“ und „Nationalsozialismus“ zu unterscheiden (zwei Begriffe, die auch im englischen Sprachraum klar getrennt werden) und sich schließlich selbst zum Nationalsozialisten erklärt. Als tapfere Verteidiger der deutschen Nation treten BILD-Kolumnist Peter Hahne und FDP-Fraktionschef Brüderle gegen die ausgemachte Nörglerin von der grünen europäischen Jugend an: Terry Reintke.

Es bleibt nur zu hoffen, dass es sich bei Reintkes Stellungnahmen, die immer wieder einen europäischen Nationalismus und eine europäische Identität der deutschen entgegen halten, nur um eine Strategie handelt, den nach Identität lechzenden Zuschauer*innen irgendeinen Knochen hinzuwerfen, der sie von ihrer Volksgemeinschaft weglockt. Wenn nicht, dann empfehlen wir ihr eine Auseinandersetzung mit den ersten Ausdrücken europäischer exklusiver Identität im Zusammenhang mit dem abgewehrten Beitritt der Türkei zur EU oder auch mit den gemeinsamen europäischen Flüchtlingsabwehrmaßnahmen. Sie fiebert im übrigen für Spanien mit, weil ihr Freund Spanier sei.

Einziger Lichtblick der Sendung bleibt der ausschließlich Fußball-Interessierte Sportreporter Werner Hansch, der dem deutschnationalen Fieber ratlos gegenübersteht und feststellt: „Dieser Hurra-Patriotismus während der EM nervt mich. Denn am Ende geht es eben doch nicht nur um Fußball, sondern um „Mein Land“ gegen „Dein Land“. Stolz sein auf Deutschland? Das kann ich nicht.“ Und am Ende auf die Frage, wer die Männer-Fußball-EM gewinnen möge, die einzig intelligente Antwort liefert: Der Beste.


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