Archiv für Dezember 2012

Rosa&Karl: Eine Replik auf Wladek Flakin

Die Liebknecht-Luxemburg-Demo – inzwischen längst zu einem Sammelbecken rückwärts-schauender Alt-Kommunist*innen verkommen – zieht noch einmal, die DKP-Fahnen schwenkend, an, gegen die „USA und ihre willigen Helfer“, wie es in ihrem Aufruf heißt. Es ist eine Demo, deren Teilnehmer*innen mehrheitlich nicht nur zurückblicken, sondern die vielmehr stehengeblieben sind und nur in dem Zurück eigentlich noch bei sich selbst sind – nämlich in einer Vergangenheit, der mit DDR-Fahnen, Stalin-Porträts und Mao-Bildern gehuldigt wird. Zumindest wird das alles geduldet, mit einem Augenzwinkern. Da wird auf der offiziellen Aufrufseite zu Bildern der Demo verlinkt, wo einem das ganze Gruselkabinett der ‚Großen Brüder‘ aufgeboten wird – alle sind sie da: eine Meisterleistung der Geschichtsverdrängung und -verkennung. Wenn der Große Bruder uns ansieht, da drücken wir schon einmal ein Auge zu. Distanzierung sieht aber anders aus, selbst wenn dies eine Kommunistische Plattform der Linken beteuert. Die LL(L)-Demo, schon lange eher spöttisch belächelt, trägt Vorkämpfer*innen zu Grabe und hüllt sich dabei selbst in ein rotes Leichentuch, wenn sie nicht aufwacht, anfängt nach vorwärts zu schauen und nicht mehr mit der Diktatur zu liebäugeln. Es gilt neue Wege zu gehen, aus Fehlern zu lernen. Wir werden sie fortan stehen lassen, die stehen geblieben sind. Und wir werden den neuen Weg auf einer anderen Demo gehen.

Doch dieser Tabubruch – sagen was ist, was auch jeder weiß, sich aber niemand eingestehen will – der zieht einen Aufschrei der Betonköpfe nach sich, die schon viel zu lange im Gedenken ihr Denken ausgeschaltet haben. Wladek Flakin, ein RIO-Trotzkist, empört sich in der Jungen Welt über diese Unverfrohrenheit – lässt seine Interviewpartner*innen „vor Wut schäumen“ – denn er weiß um die Gefahr: Eine emanzipatorische Alternative könnte dem bunten Treiben der Gulag-Freunde ein jähes Ende bereiten – würden sie sich doch nur immer weiter isolieren. Die einzige Möglichkeit, darauf zu reagieren: der Erbfeind! Es sind die Noskes und Scheidemanns, die Wölfe im Schafspelz, die sich gegen die Revolution stellen wollen! So verbleibt also den Vergangenen auch nichts anderes übrig, als die Geister der Vergangenheit anzurufen, um sie dem Neuen entgegenzuwerfen. Vorhersehbar!

Nichtsdestotrotz täuscht sich Wladek Flakin in seiner Einschätzung. Er bleibt lieber auf der Seite derjenigen, die eine mögliche militärische Aktion gegen Syrien und den Iran schon jetzt als „grausamer“ als die Shoa und den zweiten Weltkrieg ansehen, wie der Aufruf zur LL-Demo die Weltlage einschätzt. Noch ein trauriges Zeichen für eine Verkennung der Geschichte, wie aber auch der Realität. Neben den platten Phrasen bleibt hier nicht so vieles was Gehalt hätte, um eine neue Revolution zu begründen. Man besinnt sich lieber auf Luxemburgs „Prophezeiungen“ als selbst Analysen betreiben zu wollen. Wladek Flakin wird auch weiterhin noch vor Wut schäumen – helfen wird es ihm nicht. Er läuft noch auf der LL-Demo mit, weil ja neben Stalin und Mao schließlich auch noch Trotzki zu sehen ist. Und da soll er dann bitte auch bleiben. Es geht heute darum, sich für einen emanzipatorischen Kommunismus einzusetzen, der in die Zukunft schaut – und nicht in der Vergangenheit lebt. Und dies scheint, bei aller berechtigen Kritik an den Jusos und Konsorten, doch auf der Rosa&Karl-Demo weitaus vielversprechender zu sein, als weiter in den Reihen von Stalinos und Maoisten mitzulaufen.

Artikel von Wladek Flakin: hier

Website der LL-Demo: hier