Archiv für Januar 2013

#Aufschrei gegen Alltagssexismus

Rainer Brüderle, Spitzenkandidat der FDP, wird am 23. Januar 2013 in einem Artikel von der Stern-Journalistin Laura Himmelreich als übegriffiger Chauvinist geoutet.

„Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ – Rainer Brüderle

Der Sexismus-Vorwurf wird schnell von vielen Medien aufgenommen und markiert den Beginn einer bis jetzt anhaltenden öffentlichen Debatte um den Alltagssexismus, dem Frauen* in Deutschland ausgesetzt sind.
Es dauert jedoch nicht lange, bis allerlei prominente Männer Brüderle zur Seite springen, die sexuelle Belästigung verharmlosen und die Betroffene versuchen zu diffamieren. Besonders aus der FDP wird sich in Männer-Kumpanei geübt, aber auch Gregor Gysi verkündet, dass er die Aufregung über die sexistischen Bemerkungen und die Annäherungen für übertrieben hält, erklärt dass die Vorwürfe zu spät angemeldet werden und dass doch bitte alle mal das „Maß wahren“ sollen.

Neben dem Derailing (Verharmlosen/Bestreiten/Ausweichen) der Vorwürfe, hat die Diskussion zu diesem Zeitpunkt aber noch eine weitere hochproblematische Schlagrichtung: Der Fall Brüderle wird als Ausnahme, Kuriosum und Einzelfall behandelt. Medienberichte verweisen in den seltensten Fällen auf die simple Tatsache, dass Ereignisse dieser Art zu den persönlichen Erfahrungen der allermeisten Frauen* gehören. (mehr…)

Update: Zwangsräumungen verhindern!

Aus gegebenem Anlass noch einmal ein Update zum Thema Zwangsräumungen!

Problematiken der Wohnungspolitik rund um Wohnraummangel, steigende Mieten, Verdrängungseffekte und soziale Polarisierung sind in Berlin schon lange ein Thema und werden inzwischen auch im Mainstream diskutiert – endlich, wenn auch zumeist nicht mit der Intensität und kritischen Tiefe, die zu wünschen wäre. Auch innerhalb der (radikalen) Linken werden die Themen seit Jahren diskutiert und verschiedenste Antworten entwickelt. Das Spektrum der Ideen ist breit: Mal wird zur regressiven und xenophoben Jagd auf Tourist*innen aufgerufen, mal provokant zur Gentrifizierung der Kieze.

Dazwischen finden sich Konzepte auf verschiedensten Ebenen, um die Probleme politisch zu diskutieren und weiter in die Öffentlichkeit zu tragen – Mieter*innen- und Nachbarschaftsinitiativen, Veranstaltungen, Demos, militante Aktionen oder Camps und Besetzungen. So gibt es seit Mai ein Protestcamp am Kottbusser Tor, im Juni besetzten Senior*innen ihre Begegnungsstätte in der Stillen Straße – die schließlich vor der Schließung bewahrt werden konnte.

Seit kurzem sind auch Zwangsräumungen in den Fokus gerückt. Dabei werden Mieter*innen, deren Mietvertrag gekündigt wurde, auf die Straße gesetzt, wenn sie sich weigern, ihre Wohnung freiwillig zu verlassen. Gründe für Mietvertragskündigungen sind zunehmend untragbare und verweigerte Mieterhöhungen, die von Vermieter*innen gezielt als Mittel zur Verdrängung alter Mietparteien und anschließenden lukrativen Neuvermietung eingesetzt werden. Dieses Phänomen ist nur eins von vielen am Rande einer kapital- statt sozial orientierten Wohnungspolitik.
(mehr…)

Redebeitrag: Sozialistischer Feminismus

Wir veröffentlichen an dieser Stelle den Redebeitrag zum Thema „Sozialistischer Feminismus“, den wir zur Rosa & Karl-Demonstration im Namen des Bündnisses beigetragen haben.

In der Arbeiterbewegung hatten Feministinnen wie Rosa Luxemburg und Clara Zetkin mit denselben patriarchalen und sexistischen Einstellungen zu kämpfen wie im Rest der Gesellschaft auch. Frauen wurden nicht als politische Menschen wahrgenommen und ihre Anliegen ignoriert, Arbeiter sahen den Platz der Frau in der Küche, Gewerkschaften weigerten sich Frauen aufzunehmen und die Lohnarbeit von Frauen zu verteidigen.

Trotzdem oder gerade deshalb organisierten sich sozialistische Feministinnen in der Arbeiterbewegung, in Gewerkschaften, gründeten eigene Arbeiterinnenverbände und kämpften für ihre Interessen.

Rosa Luxemburg trägt dieser Entwicklung im Mai 1912 Rechnung: (mehr…)

Gedanken zum Bruch: Rosa statt Luxemburg und Karl statt Liebknecht.

In diesem Jahr fand zum ersten Mal eine alternative Veranstaltungsreihe zum „traditionellen“ Luxemburg-Liebknecht-Gedenken in Berlin statt, die am 13. Januar mit der Rosa & Karl-Demo ihren Abschluss fand. Gedanken der im Rosa & Karl-Bündnis beteiligten Gruppe [‘cosmonautilus] zur LL-Demo, den Anliegen einer gegenwärtigen und zukünftigen emanzipatorischen Alternative, der Scheindebatte um die Sozialdemokratie, der Bedeutung des Ganzen für die radikale Linke und wie es eigentlich weitergehen soll. (mehr…)

Workshop: Brot und Rosen

Von der Sozialistischen Frauenbewegung

Im Rahmen des Rosa&Karl-Veranstaltungswoche organisieren wir eine Veranstaltung, die sich mit dem Feminismus aus Rosas Zeiten auseinandersetzt. Schwerpunkt stellt der sozialistische Feminismus dar.

Sonntag, 6. Januar 2013 | 14.00 – 18:00 Uhr
NFJ-Laden, Weichselstraße 13, Neukölln; U8 Hermannplatz; M41 Fuldastraße

4 Tage nach dem Mord an Rosa Luxemburg konnten Frauen zum ersten Mal auf nationaler Ebene wählen – ein lang erkämpfter Erfolg der Frauenbewegung.
Neben demokratischen Rechten forderte die sozialistischen Frauenbewegung ein gerechtes Einkommen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. In dem Workshop wollen wir uns mit Sozialistinnen, wie Clara Zetkin und Johanna Loewenherz, ihrem Kampf um eine (geschlechter)gerechtere Gesellschaft und ihr Rolle in der sozialistischen Bewegung beschäftigen.