Antisemitismuskritik vs. Rassismuskritik? Vortrag und Diskussion mit Floris Biskamp [Update + Mitschnitt]

Nicht nur in der Linken besteht ein weitgehender Konsens darüber, dass sowohl Rassismus als auch Antisemitismus abzulehnen sind. Geht es um konkrete Gegenstände prallen Antisemitismuskritik und Rassismuskritik jedoch immer wieder aufeinander und geraten in politischen Konflikt. Dies gilt insbesondere, wenn es um Antisemitismus in islamischen Kontexten oder um den Nahostkonflikt geht. In ersterem Fall warnen viele Antisemitismuskritiker_innen vor einem „neuen Antisemitismus“ islamischer Prägung, während viele Rassismuskritiker_innen in solchen Warnungen selbst eine rassistische Zuschreibung sehen. Im Nahostkonflikt sehen viele Antisemitismuskritiker_innen den Überlebenskampf des Staates der Shoah-Überlebenden gegen antisemitische Feinde, während viele Rassismuskritiker_innen Kontinuitätslinien zu rassistischer Kolonialherrschaft ziehen. Im Vortrag wird es darum gehen, diese Konflikte zu rekonstruieren, sie in Beziehung zur theoretischen Rahmung zu bringen, die in Antisemitismuskritik und Rassismuskritik jeweils vorherrscht, und abschließend einen Vorschlag der Vermittlung zwischen beiden Positionen zu machen.

Floris Biskamp ist Politikwissenschaftler und Soziologe und arbeitet derzeit als Koordinator des Promotionskollegs „Rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität“ an der Universität Tübingen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen politische Theorie, Gesellschaftstheorie, politische Ökonomie, Religionspolitik, Populismusforschung und Rassismusforschung. Zuletzt erschienen seine Dissertationsschrift „Orientalismus und demokratische Öffentlichkeit. Antimuslimischer Rassismus aus der Perspektive von postkolonialer und neuerer kritischer Theorie“ (transcript 2016) sowie der von ihm herausgegebene Sammelband „Ruck nach rechts? Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und die Frage nach Gegenstrategien“ (Barbara Budrich 2017).

Die Veranstaltung fand statt am 13.12.2018, 19:00 Uhr im RigoRosa in Berlin-Neukölln. Ein formuliertes Manuskript zum Thema des Vortrags ist unter dem Titel „Ich sehe was, was Du nicht siehst! Über das Verhältnis von Rassismuskritik und Antisemitismuskritik“ auch auf dem Blog von Floris zu finden: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 (folgt demnächst)

Der Vortrag gliedert sich in drei Teile – und entgegen der üblichen Praxis ist auch die anschließende Diskussion im Mitschnitt enthalten. Hier Sprungmarken zu den Kapiteln:
Teil 1: Die theoretischen und politischen Hintergründe
Teil 2: Der Blick auf Rassismus und Antisemitismus
Teil 3: Die beiden üblich-verdächtigen Konfliktfelder
Nachfragen und Diskussion

Die Veranstaltung zum Verhältnis von Rassismuskritik und Antisemitismuskritik steht in Tradition zu einer Veranstaltung aus dem Jahr 2017, in der es unter dem Titel „Zwischen den Stühlen. Gegen Antisemitismus und für Feminismus: Zu einem schwierigen Verhältnis in Theorie und Szene-Praxis“ schon einmal um ein ähnlich schwieriges linkes Spannungsverhältnis ging: Um antisemitische Ideologie in feministischen Kontexten, aber auch um Sexismus in Zusammenhängen, die sich gegen Antizionismus und Antisemitismus einsetzen. Wer diese Veranstaltungen nachhören möchte, kann das unter diesem Link tun.


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