Agitation & Propaganda: Unser Linkes strategisches Kartenspiel

Von der eigenen Sache unverrückbar überzeugt zu sein ist linke Tradition – darüber hinaus bisweilen aber auch, den solidarischen Blick für andere linke Ansätze und Methoden zu verlieren und sich gegenüber anderen linken Ideen von Organisierung und Politik lieber abzugrenzen. Hier wollen wir ansetzen mit unserer Idee eines Kartenspiels über die linke Bewegung und den Blick über den Tellerrand der eigenen Szeneblase zu locken: Die Vielfalt und Differenzen (vermeintlich) progressiver Gruppen sichtbar zu machen, soll aber nicht nur lehrreich, sondern auch spaßig sein.


Mit Agitation und Propaganda (kurz: Agitprop) haben wir ein strategisches Kartenspiel entwickelt, das sich mit der Geschichte linker Organisationen, Bewegungen und Strömungen in der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt. Das Spiel erzählt dabei von den Entwicklungen, Umbrüchen und Konflikten von 1945 bis heute. Ziel des Spiels ist es, ein Netzwerk verbündeter linker Gruppen aufzubauen und mit diesen die gesellschaftlichen Herausforderungen im Laufe der gnadenlos fortschreitenden Geschichte zu bewältigen. Mit dem erfolgreichen Freispielen von Geschichtskarten und dem Erreichen besonderer Organisierungsziele sammeln die Spieler*innen Revolutionspunkte, um sich am Ende an die Spitze der Revolution zu stellen und das Spiel für sich zu entscheiden. Klar, dass dabei alle gegeneinander und nur selten miteinander agi(ti)eren!

Ebenso selbstverständlich ist, dass die Gruppen und Akteur*innen dabei augenzwinkernd genug charakterisiert werden, um genug Potential für Anfeindungen, Besserwisserei und natürlich Spaltungen zu geben. Das Spiel umfasst insgesamt 200 Karten, darunter 110 mehr oder weniger linke politische und an real existierende Zusammenschlüsse angelehnte Gruppen aus Vergangenheit und Gegenwart: Angefangen bei antifaschistischen Gruppen und (wiedergegründeten) Organisationen nach der Befreiung vom Faschismus, über die 68er, Spontis und K-Gruppen, Mao- und Trotzkist*innen, Feminist*innen der zweiten und dritten Welle, Anarchos, Ökos, Autonome und Hausbesetzer*innen bis hin zu Antifas, Antideutschen, postkolonialen und postautonomen Gruppen (Aufzählung – je nach Perspektive – so unvollständig wie das Spiel selbst!).

Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen Öko-Anarchas und trotzkistisch unterwanderten Sozialdemokrat*innen in der letzten Runde setzt Anna nun zur finalen Agitation gegen Arthur‘s Kneipenkollektiv an. Ihr Antimilitarismus-Bündnis mobilisiert seine gesamte Kraft – getragen von der unwiderstehlichen Aktionsstärke des Anarcho-Radiosyndikats und geschützt von der ungebrochenen Überzeugung der Egalitären Tierbefreier*innen (E.T.). Doch sie hat ihre Rechnung ohne Arthur‘s Wanderjugend gemacht, die sich Arbeiterlieder singend in die Bresche wirft. Zu allem Überfluss wird ihr stärkstes Bündnis auch noch von einer Räumung gelähmt. Ahmad ist derweil der lachende Dritte und bezwingt mit seiner Szene im Alleingang den anstehenden Weltbank-Kongress. Der Weg zur Revolution ist trotzdem noch lang!

Das Spiel zum frei runterladen, ausdrucken und aussschneiden gibt‘s unter https://agitationundpropaganda.noblogs.org. Bei Bedarf gibt es auch fertig produzierte Spielesets. Viel Spaß damit!


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