Archiv der Kategorie 'Antirassismus'

Das Problem heißt Rassismus

Vor 20 Jahren schaute die Welt fassungslos nach Rostock. Im Stadtteil Lichtenhagen gab es tagelange Angriffe auf die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und ein benachbartes Wohnhaus (Sonnenblumenhaus), die von einem Mob aus mehreren hundert RassistInnen angeführt und tausenden AnwohnerInnen bejubelt wurden. Die Angriffe endeten in einem Brandanschlag auf das Sonnenblumenhaus, in dem sich etwa 100 Menschen befanden, die sich noch in letzter Sekunde auf das Dach eines angrenzenden Gebäudes retten konnten. Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen war der Höhepunkt einer Kette von rassistischen Übergriffen in Deutschland Anfang der Neunziger Jahre. Im September 1991 wurden Wohnheime von Flüchtlingen in Hoyerswerda angegriffen, nach dem Pogrom in Lichtenhagen folgten Brandanschläge auf Häuser in Mölln und Solingen, in denen vor allem türkische Familien wohnten und bei denen insgesamt acht Menschen getötet wurden. Die herrschende Politik und die Boulevardpresse heizten die alltagsrassistische Stimmung in der Bevölkerung auf und inszenierten eine Bedrohung durch eine „Überflutung Deutschlands“ durch „Schein-“ und „Wirtschaftsasylanten“. Gewaltbereite Minderheiten verstanden sich als VertreterInnen einer empörten aber schweigenden Masse. Unter Missbrauch dieser Stimmung und den Vorkommnissen in der Republik einigten sich die Parteispitzen von SPD, CDU und FDP auf eine Änderung des Asylgrundrechtes. Mit der Änderung des Grundgesetzes und des Asylverfahrensgesetzes trat der Asylkompromiss 1993 in Kraft, welcher das individuelle Grundrecht auf Asyl abschaffte und die Möglichkeiten, sich erfolgreich auf das Asylrecht zu berufen, enorm einschränkte.
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Deutsche Zustände

Egotronic bringen in ihrem Track „Tolerante Nazis“ zwei Ereignisse zusammen, die in diesem Jahr aufeinandertreffen. Zum Einen der nationalistische Jubel auf die eigene Nation unter dem Vorwand der Männer-Fußball-EM und zum Anderen die rassistischen Pogrome der Nachwendezeit, die sich dieses Jahr zum 20. mal jähren: die massenhaften Angriffe von Nazi- und rassistischem Bürgermob auf Flüchtlingsheime und Ausländer*innen-Unterkünfte in ganz Deutschland.

Neben Mölln, Solingen, Hoyerswerda und anderen Städten fanden insbesondere im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen viertägige Pogrome statt, bei denen die Unterkunft von über 100 vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen angezündet wurde. Eingebettet waren diese Ereignisse in eine vorangegangene rassistische Medienkampagne gegen die „Asylantenflut“ und die perfide politische Konsequenz aus den Pogromen: die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl.

Dass es sich bei solchen Ausschreitungen um Einzelfälle und bedauerliche Ausnahmen handelt ist nicht nur anhand der erschreckend hohen Opferzahlen rechtsextremer Gewalt in den letzten 20 Jahren unglaubwürdig. Gerade eben formiert sich in Leipzig eine Bürgerinitiative gegen die Einrichtung eines Flüchtlingsheims in ihrem Stadtteil – und propagiert die altbekannten rassistischen Ressentiments.

Am kommenden Samstag trifft sich das bundesweite Bündnis „Deutsche Zustände aufmischen – 20 Jahre Rostock Lichtenhagen“, dass sich gegründet hat um auf die Ereignisse vor 20 Jahren und den Rassismus in Deutschland und Europa aufmerksam zu machen zu einem Auftakt- und Vernetzungstreffen in Berlin. Hier soll die Mobilisierung nach Rostock organisiert, Infoveranstaltungen geplant und die Aktionen vor Ort besprochen werden.
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