Archiv der Kategorie 'Film & Popkultur'

Luke Cage: Rechtschaffende Cops und ein kugelsicherer Schwarzer

Luke Cage - PLakat mit dem Zitat
Diese Kritik beinhaltet Spoiler, die jedoch auf das absolut nötigste beschränkt werden. Relevante Elemente der Handlung werden nicht verraten und genügend Details verschwiegen um keine Plot-Twists zu verraten.

Der kugelsichere Schwarze
Luke Cage ist nicht der erste schwarze Superheld auf der Leinwand. Ihm kam mit knappem Vorsprung Black Panther zuvor, der schwarze König des afrikanischen Lands Wakanda, der seit dem dritten Teil von Captain America „Civil War“ die Avengers vervollständigt.

Als Afroamerikaner aus Harlem, samt Hoodie, hat Luke Cage trotzdem für große Aufregung gesorgt. In dem traditionell schwarzen Problemviertel von Manhattan steht er mit seiner Kapuze als Ikone der hochaktuellen Black Lives Matter-Bewegung, weil seine Superkraft ausgerechnet aus seiner Kugelsicherheit besteht. Den Produzent*innen ist dies durchaus bewusst und obwohl das Original-Comic kaum politisch ist – abseits von der Tatsache der Hautfarbe des Helden – wird die politische Brisanz betont und angenommen. Entsprechend begeistert wird die Serie von Medien und Publikum aufgenommen. Kommentator*innen und Kritiker*innen loben die politische Ausgestaltung der Serie und den Stellenwert, den schwarze Kultur und schwarze Probleme in der Serie einnehmen. Rolling Stones betitelt Luke Cage als „Black Lives Matter Superhero“. Allein die Inszenierung der Serie im Sinne des Themas Polizeigewalt gegen Schwarze ist ein erstaunlicher Beitrag zum Diskurs in den USA.

Die Serie bietet einige positive Überraschungen, doch es gibt leider auch einiges zu mäkeln.
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„Der Staat gegen Fritz Bauer“: Die Verfilmung eines Helden

Schon der Titel des Filmes, der aktuell in den Kinos läuft, trifft es prägnant: Fritz Bauer kämpft als Generalstaatsanwalt in Hessen dafür, dass Nazis auf der ganzen Welt, aber vor allem in Deutschland, sich ihrer Vergangenheit stellen müssen und wird dabei leider von vielen Kräften im deutschen Nachkriegsstaat – auch jenen in der Staatsanwaltschaft selbst – bekämpft. Bauer war Jude und somit auch Opfer der Nazis und wusste um seine heikle Stellung als jüdischer Staatsanwalt in einem Deutschland, welches sich der Aufarbeitung seiner Geschichte verweigerte.
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Film: Work Hard – Play Hard

Am Montag, den 22. April um 21:00 schauen wir den arbeitskritischen Film „Work Hard – Play Hard“. Dazu sind alle herzlich eingeladen!

Die Dokumentation aus dem Jahr 2011 zeigt, wie der Mensch in der modernen Arbeitswelt zunehmend zur Ressource wird, die jederzeit bedingungslos zur Verfügung steht und die es ständig zu optimieren gilt. „Human Ressource Management“ löst die Grenzen zwischen (Erwerbs-)Arbeit und dem „restlichen Leben“ auf und schafft aufopferungsvolle Mitarbeiter*innen, deren persönliche Interessen mehr und mehr denen des Arbeitgebers entsprechen (müssen).

Los gehts am Montag um 21:00 im Café Ernesto, Mainzer Straße 22 (Neukölln – U8 Boddinstraße).

Das Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. So bedeutet in der modernen Dienstleistungsgesellschaft die Optimierung eines Betriebes die Optimierung der Mitarbeiter. Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle sollen verschwinden, damit die Arbeit attraktiver wirkt und auch nach Dienstschluss weitergeht. Bei Auswahl, Motivation und Training der Mitarbeiter von morgen wird nichts dem Zufall überlassen. Permanente Selbstoptimierung steht auf dem Programm.
Wie schafft man diese ständige Optimierungsarbeit, wie wird man ein „zukunftsfähiger Mensch“, wie wird man hochleistungstauglich gemacht und wie lässt sich totale Einsatzbereitschaft abrufen?

Der Erfolg einer Firma hängt von der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft ihrer Mitarbeiter ab. Heute bedeutet die Sanierung eines Betriebs die Sanierung der Mitarbeiter. Human Ressource Management und moderne Büroarchitektur reichen sich die Hand.

Filmemacherin Carmen Losmann heftet sich an die Fersen einer High-Tech-Arbeiterschaft, die hochmobil und leidenschaftlich ihre Arbeit zum Leben machen soll. In dieser Welt wird eine eigene Sprache gesprochen. Von non-territorialen Office Spaces ist die Rede, von multimobilen Knowledge-Workern, die taskorientiert performen. Doch das Wort Burn-out kommt im Film nicht vor, das die Kehrseite der Medaille der neuen schönen Arbeitswelt ziert.

Kritiken zum Film gab es unter anderem in der Jungle World, Süddeutschen, TAZ und FAZ.

Tatort der Barbarei

Sexismus, Paternalismus, Machismus und Verherrlichung von Polizeiwillkür, Folter und Selbstjustiz. Das alles gibts im Schweiger-Tatort.

Til Schweiger in Macho-Pose beim BallernDer deutsche Traum. Eine glückliche Familie, bestehend aus Mann und Frau und ungefähr einskommadrei Kindern, sitzt beisammen auf dem Sofa und schaut das erste deutsche Fernsehen. Der Mann trinkt Bier, das die Mutter bereitwillig holt, dazu werden Schnittchen gereicht, die die Mutter zuvor zubereitet hat. Zuerst wird auf die da oben geschimpft und anschließend gibt es Unterhaltung für die ganze Familie. So muss sich das die ARD doch vorgestellt haben? Oder ist Tatort was für die Twitterfraktion, mit deutschem Kulturbewusstsein? Oder für beide? Die einen interessieren sich nur für sich und die anderen tippen mehrmals 140 Zeichen über das gesehene damit sie sich besser fühlen als die anderen?
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Who The Fuck is John Galt?
…oder Wer Batman und Mitt Romney vereint

Ayn Rand, Bruce Wayne und Mitt Romney

Die kurze Antwort auf die zweite Frage lautet: Ayn Rand, 1905 in Russland geboren, 1926 nach der sowjetischen Oktoberrevolution nach New York immigriert und die erfolgreichste politische Schriftstellerin der jüngeren amerikanischen Geschichte.

Die längere Antwort lautet so:

Ayn Rands Objektivismus

Ayn Rand begründete mit ihren Werken eine philosophische, politische und ethische Gedankenwelt, welche von ihr und ihren Anhänger*innen etwas überheblich „Objektivismus“ getauft wurde und zu einer der einflussreichsten Stichwortgeberinnen moderner kapitalistischer Ideologie wurde. Für die wesentlichsten Elemente heutiger bürgerlicher Ideologie, welche sich durch ihre Dominanz und Omnipräsenz kaum markieren und umreissen lässt legte sie das Fundament.

In einer Umfrage der amerikanischen Kongressbibliothek, welches Buch die Amerikaner*innen am meisten in ihrem Denken beeinflusst habe landete Rands Bestseller „Atlas Shrugged“ auf Platz 2 – direkt hinter der Bibel. Noch 2011 erreichten die Verkaufszahlen 445.000 Exemplare – außergewöhnlich bei einem 50 Jahre alten Roman.
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The Avengers – a few thoughts

Comic-Verfilmungen haben, insbesondere aufgrund des betagten Alters ihrer Vorlagen, fast durchgängig erstaunlich rückschrittliche Botschaften parat. Nach besonders emanzipatorischen Figuren- und Geschlechterkonstellationen sucht mensch dabei im Regelfall genauso vergebens, wie nach gesellschaftskritischen Inhalten – und nein, fortschrittsfeindlicher Kulturpessimismus fällt sicher nicht in diese Kategorie.
Umso überraschender, dass sich ausgerechnet Joss Whedon auf einmal dem Genre annimmt: Als Autor der Serien Buffy und Dollhouse gilt Whedon als Regisseur, der es wie wenig andere versteht emanzipatorische Botschaften in popkulturellen Werken unterzubringen.
Was fängt Whedon aber bitte mit den Avengers an: der moralisch unantastbaren Marvel-Sondereinsatztruppe, bestehend aus dem unverbesserlichen Patrioten Captain America, einem muskelbepackten germanischen Donnergott Thor, dem durch und durch machistischen Waffenproduzenten Iron Man, der einzigen weiblichen Figur und Femme Fatale Black Widow, ihren Spezialagenten-Kollegen und einem wütenden, grünen Monster?
Das emanzipatorische Potential mutet da doch etwas überschaubar an.
Umso erstaunlicher, dass es sich Whedon offenbar nicht nehmen lässt in dem begrenzten Rahmen, den das Setting bietet, die ein oder andere emanzipatorische Note unterzubringen und – was keine Selbstverständlichkeit ist – die regressiven Fettnäpfchen auslässt, die sich in dem Genre aufdrängen – womit er mit einigen wichtigen Erzählkonventionen des Comics bricht.

[Spoilerwarnung] (mehr…)