Archiv der Kategorie 'Kritik'

Tatort der Barbarei

Sexismus, Paternalismus, Machismus und Verherrlichung von Polizeiwillkür, Folter und Selbstjustiz. Das alles gibts im Schweiger-Tatort.

Til Schweiger in Macho-Pose beim BallernDer deutsche Traum. Eine glückliche Familie, bestehend aus Mann und Frau und ungefähr einskommadrei Kindern, sitzt beisammen auf dem Sofa und schaut das erste deutsche Fernsehen. Der Mann trinkt Bier, das die Mutter bereitwillig holt, dazu werden Schnittchen gereicht, die die Mutter zuvor zubereitet hat. Zuerst wird auf die da oben geschimpft und anschließend gibt es Unterhaltung für die ganze Familie. So muss sich das die ARD doch vorgestellt haben? Oder ist Tatort was für die Twitterfraktion, mit deutschem Kulturbewusstsein? Oder für beide? Die einen interessieren sich nur für sich und die anderen tippen mehrmals 140 Zeichen über das gesehene damit sie sich besser fühlen als die anderen?
(mehr…)

#Aufschrei gegen Alltagssexismus

Rainer Brüderle, Spitzenkandidat der FDP, wird am 23. Januar 2013 in einem Artikel von der Stern-Journalistin Laura Himmelreich als übegriffiger Chauvinist geoutet.

„Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ – Rainer Brüderle

Der Sexismus-Vorwurf wird schnell von vielen Medien aufgenommen und markiert den Beginn einer bis jetzt anhaltenden öffentlichen Debatte um den Alltagssexismus, dem Frauen* in Deutschland ausgesetzt sind.
Es dauert jedoch nicht lange, bis allerlei prominente Männer Brüderle zur Seite springen, die sexuelle Belästigung verharmlosen und die Betroffene versuchen zu diffamieren. Besonders aus der FDP wird sich in Männer-Kumpanei geübt, aber auch Gregor Gysi verkündet, dass er die Aufregung über die sexistischen Bemerkungen und die Annäherungen für übertrieben hält, erklärt dass die Vorwürfe zu spät angemeldet werden und dass doch bitte alle mal das „Maß wahren“ sollen.

Neben dem Derailing (Verharmlosen/Bestreiten/Ausweichen) der Vorwürfe, hat die Diskussion zu diesem Zeitpunkt aber noch eine weitere hochproblematische Schlagrichtung: Der Fall Brüderle wird als Ausnahme, Kuriosum und Einzelfall behandelt. Medienberichte verweisen in den seltensten Fällen auf die simple Tatsache, dass Ereignisse dieser Art zu den persönlichen Erfahrungen der allermeisten Frauen* gehören. (mehr…)

Gedanken zum Bruch: Rosa statt Luxemburg und Karl statt Liebknecht.

In diesem Jahr fand zum ersten Mal eine alternative Veranstaltungsreihe zum „traditionellen“ Luxemburg-Liebknecht-Gedenken in Berlin statt, die am 13. Januar mit der Rosa & Karl-Demo ihren Abschluss fand. Gedanken der im Rosa & Karl-Bündnis beteiligten Gruppe [‘cosmonautilus] zur LL-Demo, den Anliegen einer gegenwärtigen und zukünftigen emanzipatorischen Alternative, der Scheindebatte um die Sozialdemokratie, der Bedeutung des Ganzen für die radikale Linke und wie es eigentlich weitergehen soll. (mehr…)

Rosa&Karl: Eine Replik auf Wladek Flakin

Die Liebknecht-Luxemburg-Demo – inzwischen längst zu einem Sammelbecken rückwärts-schauender Alt-Kommunist*innen verkommen – zieht noch einmal, die DKP-Fahnen schwenkend, an, gegen die „USA und ihre willigen Helfer“, wie es in ihrem Aufruf heißt. Es ist eine Demo, deren Teilnehmer*innen mehrheitlich nicht nur zurückblicken, sondern die vielmehr stehengeblieben sind und nur in dem Zurück eigentlich noch bei sich selbst sind – nämlich in einer Vergangenheit, der mit DDR-Fahnen, Stalin-Porträts und Mao-Bildern gehuldigt wird. Zumindest wird das alles geduldet, mit einem Augenzwinkern. Da wird auf der offiziellen Aufrufseite zu Bildern der Demo verlinkt, wo einem das ganze Gruselkabinett der ‚Großen Brüder‘ aufgeboten wird – alle sind sie da: eine Meisterleistung der Geschichtsverdrängung und -verkennung. Wenn der Große Bruder uns ansieht, da drücken wir schon einmal ein Auge zu. Distanzierung sieht aber anders aus, selbst wenn dies eine Kommunistische Plattform der Linken beteuert. Die LL(L)-Demo, schon lange eher spöttisch belächelt, trägt Vorkämpfer*innen zu Grabe und hüllt sich dabei selbst in ein rotes Leichentuch, wenn sie nicht aufwacht, anfängt nach vorwärts zu schauen und nicht mehr mit der Diktatur zu liebäugeln. Es gilt neue Wege zu gehen, aus Fehlern zu lernen. Wir werden sie fortan stehen lassen, die stehen geblieben sind. Und wir werden den neuen Weg auf einer anderen Demo gehen.

Doch dieser Tabubruch – sagen was ist, was auch jeder weiß, sich aber niemand eingestehen will – der zieht einen Aufschrei der Betonköpfe nach sich, die schon viel zu lange im Gedenken ihr Denken ausgeschaltet haben. Wladek Flakin, ein RIO-Trotzkist, empört sich in der Jungen Welt über diese Unverfrohrenheit – lässt seine Interviewpartner*innen „vor Wut schäumen“ – denn er weiß um die Gefahr: Eine emanzipatorische Alternative könnte dem bunten Treiben der Gulag-Freunde ein jähes Ende bereiten – würden sie sich doch nur immer weiter isolieren. Die einzige Möglichkeit, darauf zu reagieren: der Erbfeind! Es sind die Noskes und Scheidemanns, die Wölfe im Schafspelz, die sich gegen die Revolution stellen wollen! So verbleibt also den Vergangenen auch nichts anderes übrig, als die Geister der Vergangenheit anzurufen, um sie dem Neuen entgegenzuwerfen. Vorhersehbar!

Nichtsdestotrotz täuscht sich Wladek Flakin in seiner Einschätzung. Er bleibt lieber auf der Seite derjenigen, die eine mögliche militärische Aktion gegen Syrien und den Iran schon jetzt als „grausamer“ als die Shoa und den zweiten Weltkrieg ansehen, wie der Aufruf zur LL-Demo die Weltlage einschätzt. Noch ein trauriges Zeichen für eine Verkennung der Geschichte, wie aber auch der Realität. Neben den platten Phrasen bleibt hier nicht so vieles was Gehalt hätte, um eine neue Revolution zu begründen. Man besinnt sich lieber auf Luxemburgs „Prophezeiungen“ als selbst Analysen betreiben zu wollen. Wladek Flakin wird auch weiterhin noch vor Wut schäumen – helfen wird es ihm nicht. Er läuft noch auf der LL-Demo mit, weil ja neben Stalin und Mao schließlich auch noch Trotzki zu sehen ist. Und da soll er dann bitte auch bleiben. Es geht heute darum, sich für einen emanzipatorischen Kommunismus einzusetzen, der in die Zukunft schaut – und nicht in der Vergangenheit lebt. Und dies scheint, bei aller berechtigen Kritik an den Jusos und Konsorten, doch auf der Rosa&Karl-Demo weitaus vielversprechender zu sein, als weiter in den Reihen von Stalinos und Maoisten mitzulaufen.

Artikel von Wladek Flakin: hier

Website der LL-Demo: hier

Kritische Selbstreflexion!

Stalin-Kritiker*innen halten Transpi mit dem Slogan Aus gegebenem Anlass dokumentieren wir an dieser Stelle die Aktion und Stellungnahme am Rande der LL(L)-Demonstration Anfang 2012, die sich aus einem emanzipatorischen Verständnis einer befreiten Gesellschaft heraus gegen Maoismus und Stalinkult richtete. (mehr…)

(mehr…)

Who The Fuck is John Galt?
…oder Wer Batman und Mitt Romney vereint

Ayn Rand, Bruce Wayne und Mitt Romney

Die kurze Antwort auf die zweite Frage lautet: Ayn Rand, 1905 in Russland geboren, 1926 nach der sowjetischen Oktoberrevolution nach New York immigriert und die erfolgreichste politische Schriftstellerin der jüngeren amerikanischen Geschichte.

Die längere Antwort lautet so:

Ayn Rands Objektivismus

Ayn Rand begründete mit ihren Werken eine philosophische, politische und ethische Gedankenwelt, welche von ihr und ihren Anhänger*innen etwas überheblich „Objektivismus“ getauft wurde und zu einer der einflussreichsten Stichwortgeberinnen moderner kapitalistischer Ideologie wurde. Für die wesentlichsten Elemente heutiger bürgerlicher Ideologie, welche sich durch ihre Dominanz und Omnipräsenz kaum markieren und umreissen lässt legte sie das Fundament.

In einer Umfrage der amerikanischen Kongressbibliothek, welches Buch die Amerikaner*innen am meisten in ihrem Denken beeinflusst habe landete Rands Bestseller „Atlas Shrugged“ auf Platz 2 – direkt hinter der Bibel. Noch 2011 erreichten die Verkaufszahlen 445.000 Exemplare – außergewöhnlich bei einem 50 Jahre alten Roman.
(mehr…)

Die Deutsche Eiche in Lichtenhagen

Am 25.08.2012 fand in Rostock eine Großdemonstration zum Gedenken an das rassistische Pogrom der Nachwendezeit gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und die Unterkunft vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen statt. Tagelang belagerten hunderte mit Steinen und Molotovcocktails bewaffnete Nazis und Rassist*innen den bewohnten Wohnblock und steckten ihn in Brand. Tausende Rostocker Anwohner*innen applaudierten, die Polizei griff nicht in das Geschehen ein, sondern schirmte die Gewalttätigkeiten noch von spontan organisierten linken Gegendemons-trant*innen ab. In der Folge schaffte der Bundestag das verfassungsverbriefte bedigungslose Recht auf politisches Asyl ab.

(mehr…)

Presseschau: Capture The Flag

BILD über CTF In den letzten Wochen gab es zahllose Reaktionen auf „Capture the Flag“ (CTF) und die von uns veröffentlichten Flyer und die Broschüre „Deutschland knicken“. Angesichts der Tatsache, dass das CTF eine bereits 6jähirge Tradition hat und auch Flyer wie der Autofähnchen-Ersatzflyer in den Vorjahren zur Anwendung kamen sind wir positiv überrascht welche Resonanz unsere Veröffentlichungen nach sich gezogen haben.

Wir dokumentieren und kommentieren an dieser Stelle eine Reihe dieser öffentlicher Reaktionen.
(mehr…)

Glitzer-Kritik
…oder die Entgrenzung von queer geht zu weit

Wenn auf dem tCSD Hetero-Paare Händchen haltend durch die Glitzer-Schwaden ziehen, wenn mir die gleichen Macker dort begegnen wie auf jeder normalen Antifa-Demo auch, wenn Glitzer und rosa Handtasche in Szene-Kneipen und anderen linken Räumen zum Coolness-Faktor werden – dann wird dies oft als queer verstanden und gelabelt.

Queer – ein Begriff der Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität in Frage stellt?!

Als queer bezeichnen sich Menschen, die ihre sexuelle Orientierung und/oder ihre Geschlechtsidentität als quer zur vorherrschenden Norm beschreiben. Die vielfältige Bedeutung von queer sollte allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass queer alles ist, nur nicht hetero, dass queer als Sammelbegriff für all jene dient, die sich außerhalb der Norm bewegen: Und das sind immer noch Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle (LGBTI). Aber alternativ-lebende heterosexuelle CIS-Männer- und Frauen1 eher weniger.2

Queer wird Interessen von LGBTI nicht mehr gerecht, wenn Queer-Sein nicht mehr als sexuelle Identität oder Geschlechtsidentität, sondern als ein „irgendwie-dazwischen“ erscheint. Das irgendwie-queere Dasein initiiert dabei aber wiederum nur eine postmoderne Heterosexualität. Diese oder auch gendersensible Sprache entschuldigt dann schnell mal das Ausleben der eigenen Männlichkeit, die eigene dominante Stellung muss nicht mehr hinterfragt werden und festigt sich.
(mehr…)

Schwarz-Rot-Gold!

Fahnenmeer Es ist wieder soweit: Ein Fahnenmeer legt sich über die deutsche Karosserielandschaft. Wo das Auge hinblickt die Nationalfarben schwarz, rot und gelb. Eine Aussage, die bis 2008 noch strafbar war: denn natürlich ist das kein schnödes Gelb, sondern edles Gold!*

Gold und Gelb verwechseln war strafbar? Ganz schön albern? Die Nationalfarben sind leider alles andere als nur ein Symbol für eine bestimmte geografische Fläche in Mitteleuropa. Es geht um nationale Identität. Und dahinter stehen Ideologie und knallharte Machtverhältnisse. Da hört der Humor der deutschen Justiz schnell auf.

Aber wie kommen wir denn jetzt von Autofähnchen auf die Nation? Es geht doch nur um Fußball! Na klar – und es ist es sicher reiner Zufall, dass fast alle deutschen EM-Begeisterten augenblicklich wissen für welche Mannschaft sie mitzufiebern haben. Zufall, dass sich die Menschen immer erst dann massenhaft für Fußball begeistern lassen, wenn die eigene Nation auf dem Spielfeld vertreten ist und der Fußball-Weltpokal – die Weltmeisterschaft in der tatsächlich Fußballvereine, und nicht Nationen, gegeneinander antreten – bei den meisten Leuten wenig Interesse entlocken kann. Und dass die Kampagne „Dein Name für Deutschland“ nicht etwa für die deutsche Nationalmannschaft, sondern „für Deutschland“ wirbt.

Es geht offensichtlich um Nationalismus: Die irrationale Begeisterung für die „eigene“ Nation. Oder geht es doch nur um Patriotismus? (mehr…)