Archiv der Kategorie 'Feminismus, Queer & Gender'

Zum Umgang der Linken mit Rassismus und Sexismus

Die massenhaften sexualisierten Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof haben eine heftige Debatte in der deutschen Medienlandschaft um Sexismus und Rassismus ausgelöst. Die linken Beiträge zu dieser Debatte fallen dabei jedoch leider sehr reflexhaft aus und bewegen sich meist zwischen Relativierung und Ablenkung. Wie aber sieht eine emanzipatorische Antwort auf die Ereignisse in der Silvesternacht aus, fernab rassistischer, verleumdender oder verschweigender Rhetorik?

Unmissverständlich klarzustellen ist zuerst, dass die öffentliche Debatte maßgeblich von Rassismus angefacht wird. Noch bevor klar war, ob es sich bei den Tätern um ausländische Staatsbürger handelt, um Menschen mit Migrationshintergrund oder Geflüchtete wurde bereits darüber nachgedacht, sie abzuschieben. Verdrängt wird dabei, dass Menschenrechte nicht durch Straftaten verwirkt werden können. Erst wenn das Asylverfahren eines Täters scheitert, darf überhaupt über eine Abschiebung nachgedacht werden. Denen, die laut nach Abschiebung schreien, geht es nicht um Frauenrechte und den Kampf gegen sexualisierte Gewalt, schließlich sind von restriktiven Abschiebegesetzen auch Frauen betroffen, die vor sexualisierter Gewalt geflüchtet sind. Hinzu kommt, dass Abschiebungen überhaupt keine Antwort auf Sexualstraftaten sein können. Dass Vergewaltiger nach ihrer Abschiebung weiterhin für Frauen, dann aber in den Herkunftsländern, eine Bedrohung darstellen, wird völlig ausgeblendet.

Die (radikale) Linke hat eine lange Tradition der Unfähigkeit, Antworten auf Problemstellungen zu finden, in denen unterschiedliche Herrschaftsverhältnisse in einem Widerspruch stehen. Das fängt an bei den Hauptwiderspruchstheorien des 20. Jahrhunderts und setzt sich fort beim Streit über den Nahostkonflikt bis hin zur regelmäßigen Preisgabe von feministischen Prinzipien zugunsten klassenkämpferischer oder antirassistischer Wirkung. (mehr…)

25. November, Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Der 25. November als „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ wurde 1981 am ersten lateinamerikanischen Frauenkongress proklamiert. Dies geschah im Gedenken an die Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal, die an diesem Tag im Jahr 1960 wegen ihres Widerstandes gegen den dominikanischen Diktator Trujillo vom Geheimdienst ermordet wurden. Seit 1991 gibt es ausgehend von diesem Tag die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, die mit dem Tag der Menschenrechte am 10. Dezember enden.
Überall auf der Welt finden in diesem Zeitraum verschiedenste Aktionen und Veranstaltungen statt, die auf den Kampf der Frauen gegen alle Formen der Gewalt aufmerksam machen und ihn unterstützen.
Der 25. November selbst soll Bewusstsein dafür schaffen, dass die verschiedenen Formen von Gewalt, denen Frauen auf der ganzen Welt tagtäglich ausgesetzt sind, keine Privatsache sind, sondern ein gesellschaftliches Problem darstellen, welches uns alle etwas angeht.
(mehr…)

Stand up – Speak up

Am 10. Juli haben wir einen Text mit dem Titel Märchenstunde auf Indymedia verfasst, der einen Artikel auf Indymedia analysiert und diesem in seiner Kritik an der Definitionsmacht antifeministische Motive und Elemente der Rape Culture nachweist. Als Reaktion darauf haben wir anyonm einen Text Definitionsmacht aus Betroffenensicht zugeschickt bekommen, mit der Bitte um Veröffentlichung. Vor einigen Tagen erreichte uns ein zweiter Text, den wir auf Bitte des*der Autor*in nun ebenfalls anonym veröffentlichen.

Triggerwarnung: Beschreibung von Vergew*******g

Ich werde über persönliche Erfahrungen schreiben. Bitte versucht entsprechend ein Mindestmaß an persönlichem Respekt aufzubringen.

Dies ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich öffentlich als Betroffene einer Vergewaltigung und wiederholter sexualisierter Übergriffe in der linken Szene äußere. Bisher hatte ich Schiss davor, und die aktuelle Debatte auf linksunten.indymedia zeigt mir, dass das nicht zu Unrecht war.
(mehr…)

Definitionsmacht aus Betroffenensicht

Als Reaktion auf unseren Text gegen die Angriffe auf die Definitionsmacht auf Indymedia haben wir eine anonyme Zuschrift bekommen, in der wir gebeten werden, den folgenden Text über dieselben Kanäle zu veröffentlichen, die unser Artikel Märchenstunde auf Indymedia genommen hat. Wir halten viele Gedanken des Textes für richtig und eine persönliche Perspektive aus Betroffenensicht für eine große Bereicherung. Wir veröffentlichen und anonymisieren ihn an dieser Stelle mit Einwilligung des*der Autor*in.

Nach den letzten Debatten auf linksunten.indymedia, die alle eher theoretisch geführt wurden, ist das hier ein persönlicher Beitrag.

Im Gegensatz zu den vorher genannten Texten spreche ich hier nicht über fiktive, konstruierte Beispiele, sondern über Ereignisse, die tatsächlich passiert sind. Das ist auch einer der Gründe, warum dieser Text anonym ist: ich möchte nicht offenlegen, um welche Personen es geht. Ich möchte weder selbst erkannt werden, noch möchte ich, dass die Täter (im weitesten Sinne) geoutet werden.
(mehr…)

Märchenstunde auf Indymedia

Am vergangenen Sonntag wurde auf dem linksalternativen Nachrichtenportal Indymedia ein Text mit dem Titel Keine Definitionsmacht für Niemand veröffentlich. Darin wird mit den altbekannten Argumenten mit dem Definitionsmachtkonzept abgerechnet.

Natürlich sind Anfeindungen gegen feministische Konzepte, die anonym auf offenen Internetplattformen veröffentlich werden, keine besondere Aufmerksamkeit wert. In diesem Fall wird dieser antifeministische Angriff jedoch nicht wie üblich kontrovers umstritten, verrissen oder gar von den linken Administrator*innen entfernt – er stößt vielmehr auf breite Zustimmung. In den Kommentaren wird begeistert Erleichterung über den vermeintlichen Tabubruch ausgedrückt. Da es sich bei linksunten.indymedia um die emanzipatorischere Seite des deutschsprachigen Indymedia-Projekts handelt, welches für große Teile der autonomen Linksradikalen ein wichtiges Diskussions- und Meinungsbildungsmedium darstellt, spiegelt sich darin ein Backlash wieder, der in der radikalen Linken einen festen Nährboden hat.

Aus diesem Grund wird im Folgenden der Artikel und die dahinterstehenden Motivationen auseinander genommen.
(mehr…)

Tatort der Barbarei

Sexismus, Paternalismus, Machismus und Verherrlichung von Polizeiwillkür, Folter und Selbstjustiz. Das alles gibts im Schweiger-Tatort.

Til Schweiger in Macho-Pose beim BallernDer deutsche Traum. Eine glückliche Familie, bestehend aus Mann und Frau und ungefähr einskommadrei Kindern, sitzt beisammen auf dem Sofa und schaut das erste deutsche Fernsehen. Der Mann trinkt Bier, das die Mutter bereitwillig holt, dazu werden Schnittchen gereicht, die die Mutter zuvor zubereitet hat. Zuerst wird auf die da oben geschimpft und anschließend gibt es Unterhaltung für die ganze Familie. So muss sich das die ARD doch vorgestellt haben? Oder ist Tatort was für die Twitterfraktion, mit deutschem Kulturbewusstsein? Oder für beide? Die einen interessieren sich nur für sich und die anderen tippen mehrmals 140 Zeichen über das gesehene damit sie sich besser fühlen als die anderen?
(mehr…)

#Aufschrei gegen Alltagssexismus

Rainer Brüderle, Spitzenkandidat der FDP, wird am 23. Januar 2013 in einem Artikel von der Stern-Journalistin Laura Himmelreich als übegriffiger Chauvinist geoutet.

„Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ – Rainer Brüderle

Der Sexismus-Vorwurf wird schnell von vielen Medien aufgenommen und markiert den Beginn einer bis jetzt anhaltenden öffentlichen Debatte um den Alltagssexismus, dem Frauen* in Deutschland ausgesetzt sind.
Es dauert jedoch nicht lange, bis allerlei prominente Männer Brüderle zur Seite springen, die sexuelle Belästigung verharmlosen und die Betroffene versuchen zu diffamieren. Besonders aus der FDP wird sich in Männer-Kumpanei geübt, aber auch Gregor Gysi verkündet, dass er die Aufregung über die sexistischen Bemerkungen und die Annäherungen für übertrieben hält, erklärt dass die Vorwürfe zu spät angemeldet werden und dass doch bitte alle mal das „Maß wahren“ sollen.

Neben dem Derailing (Verharmlosen/Bestreiten/Ausweichen) der Vorwürfe, hat die Diskussion zu diesem Zeitpunkt aber noch eine weitere hochproblematische Schlagrichtung: Der Fall Brüderle wird als Ausnahme, Kuriosum und Einzelfall behandelt. Medienberichte verweisen in den seltensten Fällen auf die simple Tatsache, dass Ereignisse dieser Art zu den persönlichen Erfahrungen der allermeisten Frauen* gehören. (mehr…)

Redebeitrag: Sozialistischer Feminismus

Wir veröffentlichen an dieser Stelle den Redebeitrag zum Thema „Sozialistischer Feminismus“, den wir zur Rosa & Karl-Demonstration im Namen des Bündnisses beigetragen haben.

In der Arbeiterbewegung hatten Feministinnen wie Rosa Luxemburg und Clara Zetkin mit denselben patriarchalen und sexistischen Einstellungen zu kämpfen wie im Rest der Gesellschaft auch. Frauen wurden nicht als politische Menschen wahrgenommen und ihre Anliegen ignoriert, Arbeiter sahen den Platz der Frau in der Küche, Gewerkschaften weigerten sich Frauen aufzunehmen und die Lohnarbeit von Frauen zu verteidigen.

Trotzdem oder gerade deshalb organisierten sich sozialistische Feministinnen in der Arbeiterbewegung, in Gewerkschaften, gründeten eigene Arbeiterinnenverbände und kämpften für ihre Interessen.

Rosa Luxemburg trägt dieser Entwicklung im Mai 1912 Rechnung: (mehr…)

Workshop: Brot und Rosen

Von der Sozialistischen Frauenbewegung

Im Rahmen des Rosa&Karl-Veranstaltungswoche organisieren wir eine Veranstaltung, die sich mit dem Feminismus aus Rosas Zeiten auseinandersetzt. Schwerpunkt stellt der sozialistische Feminismus dar.

Sonntag, 6. Januar 2013 | 14.00 – 18:00 Uhr
NFJ-Laden, Weichselstraße 13, Neukölln; U8 Hermannplatz; M41 Fuldastraße

4 Tage nach dem Mord an Rosa Luxemburg konnten Frauen zum ersten Mal auf nationaler Ebene wählen – ein lang erkämpfter Erfolg der Frauenbewegung.
Neben demokratischen Rechten forderte die sozialistischen Frauenbewegung ein gerechtes Einkommen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. In dem Workshop wollen wir uns mit Sozialistinnen, wie Clara Zetkin und Johanna Loewenherz, ihrem Kampf um eine (geschlechter)gerechtere Gesellschaft und ihr Rolle in der sozialistischen Bewegung beschäftigen.

Stencilvorlage: Viva la Vulva!

Phallus-Vergleiche, Phallus-Symbole, Penis-Witze und Schwanzvergleiche prägen den Alltag der patriarchalen Gesellschaft. Doch wann nimmt mal jemand das Wort „Vulva“ in den Mund und an welcher Hauswand ist mal zur Abwechslung kein Pimmel, sondern eine Vagina gekritzelt?

Weil weibliche Sexualität viel zu oft keine Erwähnung findet und weibliche Genitalien auf Brüste reduziert werden… VIVA LA VULVA!

Als Mittel zur Gegenintervention hier eine Vorlage für eine Sprüh-Schablone: Einfach auf Papier ausdrucken oder abmalen, auf Karton, Pappe oder ähnliches kleben, mit einem scharfen Messer ausschneiden und sprühen!
Tipps zum Herstellen von Stencils und zum Sprühen gibts auch hier.