Märchenstunde auf Indymedia

Am vergangenen Sonntag wurde auf dem linksalternativen Nachrichtenportal Indymedia ein Text mit dem Titel Keine Definitionsmacht für Niemand veröffentlich. Darin wird mit den altbekannten Argumenten mit dem Definitionsmachtkonzept abgerechnet.

Natürlich sind Anfeindungen gegen feministische Konzepte, die anonym auf offenen Internetplattformen veröffentlich werden, keine besondere Aufmerksamkeit wert. In diesem Fall wird dieser antifeministische Angriff jedoch nicht wie üblich kontrovers umstritten, verrissen oder gar von den linken Administrator*innen entfernt – er stößt vielmehr auf breite Zustimmung. In den Kommentaren wird begeistert Erleichterung über den vermeintlichen Tabubruch ausgedrückt. Da es sich bei linksunten.indymedia um die emanzipatorischere Seite des deutschsprachigen Indymedia-Projekts handelt, welches für große Teile der autonomen Linksradikalen ein wichtiges Diskussions- und Meinungsbildungsmedium darstellt, spiegelt sich darin ein Backlash wieder, der in der radikalen Linken einen festen Nährboden hat.

Aus diesem Grund wird im Folgenden der Artikel und die dahinterstehenden Motivationen auseinander genommen.
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Arbeit nervt! Einführung in die Kritik der Arbeit

Das Verhältnis der Arbeiterbewegung zur Arbeit ist in der Regel ein positives und gipfelte in einer kultischen Verehrung der Arbeit im realexistierenden Sozialismus. Von Beginn an regten sich jedoch auch Stimmen, die in der Arbeit nichts positives Erblicken wollten. Nicht zuletzt der Schwiegersohn von Karl Marx, Paul Lafargue, hat mit seinem polemischen Aufsatz: „Das Recht auf Faulheit“ versucht dem von der Sozialdemokratie geforderten ‚Recht auf Arbeit‘ etwas entgegen zu setzen.

Zum Thema Arbeitskritik führen wir am kommenden Sonntag einen Workshop durch. Inhaltlich wollen wir einen kritischen Begriff der Arbeit entwickeln, der Grundlage für eine weitere Auseinandersetzung mit und Einordnung von vor allem Positionen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie aber eben auch der antikapitalistischen Linken ist.

Stattfinden wird der Workshop am Sonntag, dem 16.06.2013, ab 14:00 Uhr im Bürgerbüro, Mehringplatz 7, 10969 Berlin (Nähe U Hallesches Tor).

Eine Nation auf Sandsäcken gebaut

NPD ruft zu Spenden für Flutopfer aufDas Hochwasser ist wieder da und lässt die feuchtesten Träume aller Ingenieure des neuen deutschen Nationalbewusstseins wahr werden. Zwar sind Flutkatastrophen nichts Neues, besonders nicht an der Elbe, aber diese neue Flut überspült nicht nur brandenburgische Dörfer mit Schlamm, sondern treibt auch die Mühlen der deutschnationalen Ideologie-Produktion an, in einer bis dato recht exotischen Stoßrichtung: dem Katastrophen-Nationalismus. Das Volk vereint in unverbrüchlicher Solidarität, wenn auch nur gegen die Gewalten der Natur, ist der willkommene Anlass um da Gemeinschaftsgefühl zu simulieren, wo es sonst schmerzlich vermisst wird.

Ober-Ingenieur deutscher Identitätsfindung ist von Amts wegen Bundespräsident Joachim Gauck. Mit der Feststellung, die Hochwasserbekämpfung „kann nur eine nationale Aufgabe sein“ (nicht etwa Bundes- oder bundesweite Aufgabe) stellt er eine steile These auf: „Deutschland ist ein solidarisches Land.“
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Film: Work Hard – Play Hard

Am Montag, den 22. April um 21:00 schauen wir den arbeitskritischen Film „Work Hard – Play Hard“. Dazu sind alle herzlich eingeladen!

Die Dokumentation aus dem Jahr 2011 zeigt, wie der Mensch in der modernen Arbeitswelt zunehmend zur Ressource wird, die jederzeit bedingungslos zur Verfügung steht und die es ständig zu optimieren gilt. „Human Ressource Management“ löst die Grenzen zwischen (Erwerbs-)Arbeit und dem „restlichen Leben“ auf und schafft aufopferungsvolle Mitarbeiter*innen, deren persönliche Interessen mehr und mehr denen des Arbeitgebers entsprechen (müssen).

Los gehts am Montag um 21:00 im Café Ernesto, Mainzer Straße 22 (Neukölln – U8 Boddinstraße).

Das Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. So bedeutet in der modernen Dienstleistungsgesellschaft die Optimierung eines Betriebes die Optimierung der Mitarbeiter. Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle sollen verschwinden, damit die Arbeit attraktiver wirkt und auch nach Dienstschluss weitergeht. Bei Auswahl, Motivation und Training der Mitarbeiter von morgen wird nichts dem Zufall überlassen. Permanente Selbstoptimierung steht auf dem Programm.
Wie schafft man diese ständige Optimierungsarbeit, wie wird man ein „zukunftsfähiger Mensch“, wie wird man hochleistungstauglich gemacht und wie lässt sich totale Einsatzbereitschaft abrufen?

Der Erfolg einer Firma hängt von der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft ihrer Mitarbeiter ab. Heute bedeutet die Sanierung eines Betriebs die Sanierung der Mitarbeiter. Human Ressource Management und moderne Büroarchitektur reichen sich die Hand.

Filmemacherin Carmen Losmann heftet sich an die Fersen einer High-Tech-Arbeiterschaft, die hochmobil und leidenschaftlich ihre Arbeit zum Leben machen soll. In dieser Welt wird eine eigene Sprache gesprochen. Von non-territorialen Office Spaces ist die Rede, von multimobilen Knowledge-Workern, die taskorientiert performen. Doch das Wort Burn-out kommt im Film nicht vor, das die Kehrseite der Medaille der neuen schönen Arbeitswelt ziert.

Kritiken zum Film gab es unter anderem in der Jungle World, Süddeutschen, TAZ und FAZ.

Tatort der Barbarei

Sexismus, Paternalismus, Machismus und Verherrlichung von Polizeiwillkür, Folter und Selbstjustiz. Das alles gibts im Schweiger-Tatort.

Til Schweiger in Macho-Pose beim BallernDer deutsche Traum. Eine glückliche Familie, bestehend aus Mann und Frau und ungefähr einskommadrei Kindern, sitzt beisammen auf dem Sofa und schaut das erste deutsche Fernsehen. Der Mann trinkt Bier, das die Mutter bereitwillig holt, dazu werden Schnittchen gereicht, die die Mutter zuvor zubereitet hat. Zuerst wird auf die da oben geschimpft und anschließend gibt es Unterhaltung für die ganze Familie. So muss sich das die ARD doch vorgestellt haben? Oder ist Tatort was für die Twitterfraktion, mit deutschem Kulturbewusstsein? Oder für beide? Die einen interessieren sich nur für sich und die anderen tippen mehrmals 140 Zeichen über das gesehene damit sie sich besser fühlen als die anderen?
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#Aufschrei gegen Alltagssexismus

Rainer Brüderle, Spitzenkandidat der FDP, wird am 23. Januar 2013 in einem Artikel von der Stern-Journalistin Laura Himmelreich als übegriffiger Chauvinist geoutet.

„Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ – Rainer Brüderle

Der Sexismus-Vorwurf wird schnell von vielen Medien aufgenommen und markiert den Beginn einer bis jetzt anhaltenden öffentlichen Debatte um den Alltagssexismus, dem Frauen* in Deutschland ausgesetzt sind.
Es dauert jedoch nicht lange, bis allerlei prominente Männer Brüderle zur Seite springen, die sexuelle Belästigung verharmlosen und die Betroffene versuchen zu diffamieren. Besonders aus der FDP wird sich in Männer-Kumpanei geübt, aber auch Gregor Gysi verkündet, dass er die Aufregung über die sexistischen Bemerkungen und die Annäherungen für übertrieben hält, erklärt dass die Vorwürfe zu spät angemeldet werden und dass doch bitte alle mal das „Maß wahren“ sollen.

Neben dem Derailing (Verharmlosen/Bestreiten/Ausweichen) der Vorwürfe, hat die Diskussion zu diesem Zeitpunkt aber noch eine weitere hochproblematische Schlagrichtung: Der Fall Brüderle wird als Ausnahme, Kuriosum und Einzelfall behandelt. Medienberichte verweisen in den seltensten Fällen auf die simple Tatsache, dass Ereignisse dieser Art zu den persönlichen Erfahrungen der allermeisten Frauen* gehören. (mehr…)

Update: Zwangsräumungen verhindern!

Aus gegebenem Anlass noch einmal ein Update zum Thema Zwangsräumungen!

Problematiken der Wohnungspolitik rund um Wohnraummangel, steigende Mieten, Verdrängungseffekte und soziale Polarisierung sind in Berlin schon lange ein Thema und werden inzwischen auch im Mainstream diskutiert – endlich, wenn auch zumeist nicht mit der Intensität und kritischen Tiefe, die zu wünschen wäre. Auch innerhalb der (radikalen) Linken werden die Themen seit Jahren diskutiert und verschiedenste Antworten entwickelt. Das Spektrum der Ideen ist breit: Mal wird zur regressiven und xenophoben Jagd auf Tourist*innen aufgerufen, mal provokant zur Gentrifizierung der Kieze.

Dazwischen finden sich Konzepte auf verschiedensten Ebenen, um die Probleme politisch zu diskutieren und weiter in die Öffentlichkeit zu tragen – Mieter*innen- und Nachbarschaftsinitiativen, Veranstaltungen, Demos, militante Aktionen oder Camps und Besetzungen. So gibt es seit Mai ein Protestcamp am Kottbusser Tor, im Juni besetzten Senior*innen ihre Begegnungsstätte in der Stillen Straße – die schließlich vor der Schließung bewahrt werden konnte.

Seit kurzem sind auch Zwangsräumungen in den Fokus gerückt. Dabei werden Mieter*innen, deren Mietvertrag gekündigt wurde, auf die Straße gesetzt, wenn sie sich weigern, ihre Wohnung freiwillig zu verlassen. Gründe für Mietvertragskündigungen sind zunehmend untragbare und verweigerte Mieterhöhungen, die von Vermieter*innen gezielt als Mittel zur Verdrängung alter Mietparteien und anschließenden lukrativen Neuvermietung eingesetzt werden. Dieses Phänomen ist nur eins von vielen am Rande einer kapital- statt sozial orientierten Wohnungspolitik.
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Redebeitrag: Sozialistischer Feminismus

Wir veröffentlichen an dieser Stelle den Redebeitrag zum Thema „Sozialistischer Feminismus“, den wir zur Rosa & Karl-Demonstration im Namen des Bündnisses beigetragen haben.

In der Arbeiterbewegung hatten Feministinnen wie Rosa Luxemburg und Clara Zetkin mit denselben patriarchalen und sexistischen Einstellungen zu kämpfen wie im Rest der Gesellschaft auch. Frauen wurden nicht als politische Menschen wahrgenommen und ihre Anliegen ignoriert, Arbeiter sahen den Platz der Frau in der Küche, Gewerkschaften weigerten sich Frauen aufzunehmen und die Lohnarbeit von Frauen zu verteidigen.

Trotzdem oder gerade deshalb organisierten sich sozialistische Feministinnen in der Arbeiterbewegung, in Gewerkschaften, gründeten eigene Arbeiterinnenverbände und kämpften für ihre Interessen.

Rosa Luxemburg trägt dieser Entwicklung im Mai 1912 Rechnung: (mehr…)

Gedanken zum Bruch: Rosa statt Luxemburg und Karl statt Liebknecht.

In diesem Jahr fand zum ersten Mal eine alternative Veranstaltungsreihe zum „traditionellen“ Luxemburg-Liebknecht-Gedenken in Berlin statt, die am 13. Januar mit der Rosa & Karl-Demo ihren Abschluss fand. Gedanken der im Rosa & Karl-Bündnis beteiligten Gruppe [‘cosmonautilus] zur LL-Demo, den Anliegen einer gegenwärtigen und zukünftigen emanzipatorischen Alternative, der Scheindebatte um die Sozialdemokratie, der Bedeutung des Ganzen für die radikale Linke und wie es eigentlich weitergehen soll. (mehr…)

Workshop: Brot und Rosen

Von der Sozialistischen Frauenbewegung

Im Rahmen des Rosa&Karl-Veranstaltungswoche organisieren wir eine Veranstaltung, die sich mit dem Feminismus aus Rosas Zeiten auseinandersetzt. Schwerpunkt stellt der sozialistische Feminismus dar.

Sonntag, 6. Januar 2013 | 14.00 – 18:00 Uhr
NFJ-Laden, Weichselstraße 13, Neukölln; U8 Hermannplatz; M41 Fuldastraße

4 Tage nach dem Mord an Rosa Luxemburg konnten Frauen zum ersten Mal auf nationaler Ebene wählen – ein lang erkämpfter Erfolg der Frauenbewegung.
Neben demokratischen Rechten forderte die sozialistischen Frauenbewegung ein gerechtes Einkommen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. In dem Workshop wollen wir uns mit Sozialistinnen, wie Clara Zetkin und Johanna Loewenherz, ihrem Kampf um eine (geschlechter)gerechtere Gesellschaft und ihr Rolle in der sozialistischen Bewegung beschäftigen.